GUARABIRA · PARAÍBA · BRASILIEN

Capoeira bei Anajô

Eine Brücke zwischen Brasilien und Europa

Bewegung, Musik und Gemeinschaft geben Kindern Raum, ihre Fähigkeiten zu entdecken. In Guarabira gehört Capoeira zum Herzen unserer Kinderhilfe.

Kinder bilden beim Capoeira-Training einen Kreis; in der Mitte wird eine Bewegung vorgeführt.
Bewegung, Musik und Gemeinschaft gehören bei Anajô zusammen.

Bewegung, die Perspektiven eröffnet

Capoeira verbindet Kampfkunst, Spiel, Musik und Tanz. Zwei Menschen begegnen sich mit Bewegungen in einem Kreis, der Roda. Die Gruppe begleitet sie mit Instrumenten, Gesang und Klatschen. Es geht um Aufmerksamkeit, Ausdruck und das gemeinsame Spiel.

Für Anajô ist Capoeira eng mit der Entstehung unserer Kinderhilfe verbunden. Unser Gründer und Vereinsobmann Hailton „Hayu“ da Silva stammt aus Guarabira. Als Capoeira-Mestre und Gründer von Ideal Capoeira verbindet er seine Heimat in Brasilien mit seinem Leben in Vorarlberg.

Bei Anajô ist Bewegung Teil eines Alltags mit Bildung, Mahlzeiten und verlässlichen Bezugspersonen.

Den eigenen Körper kennenlernen

Gleichgewicht halten, Bewegungen koordinieren, den Rhythmus finden: Kinder entdecken Schritt für Schritt, was sie können.

Aufeinander achten

Abstand halten, Signale wahrnehmen und Bewegungen kontrollieren: Das gemeinsame Spiel braucht Rücksicht.

Teil der Gruppe sein

Mitsingen, klatschen, gemeinsam üben: Jedes Kind kann sich einbringen und Verantwortung übernehmen.

Hayu und seine Geschichte kennenlernen

Zwei Welten, ein gemeinsamer Rhythmus

Die Ginga, die rhythmische Grundbewegung, der Kreis der Roda und portugiesische Lieder schaffen gemeinsame Bezugspunkte. So können Kinder aus Guarabira und dem europäischen Rheintal miteinander spielen, bevor sie dieselbe Sprache sprechen.

Ideal Capoeira bietet Training in Österreich, Liechtenstein, der Schweiz und Deutschland an. Begegnungen zwischen Menschen aus Brasilien und Europa ermöglichen dabei Lernen in beide Richtungen.

Aus Teilnehmenden werden Vorbilder

Bei Anajô übernehmen ehemalige betreute Kinder bereits Aufgaben im Team. Wer über Jahre trainiert, kann lernen, andere anzuleiten und Wissen weiterzugeben.

Workshops, Unterricht und kultureller Austausch können weitere Wege eröffnen. Welche Möglichkeiten sich ergeben, hängt von Qualifikation und konkreten Angeboten ab. Die jungen Menschen entscheiden selbst über ihren Weg.

Afrobrasilianische Kultur lebendig halten

Capoeira ist in der Geschichte afrikanischer und afrobrasilianischer Gemeinschaften verwurzelt. Ihre Entwicklung ist mit Versklavung, Widerstand und dem Einsatz für Freiheit verbunden. Bis heute werden Bewegungen, Musik und Geschichten durch gemeinsames Üben und mündliche Überlieferung weitergegeben.

Seit 2014 steht die Roda de Capoeira auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Die Anerkennung würdigt eine lebendige kulturelle Praxis und das Wissen ihrer Gemeinschaften.

Das Berimbau: der musikalische Bogen

Das Berimbau prägt den Klang der Capoeira. Zu dem Instrument gehören ein gebogener Holzstab, eine gespannte Metallsaite und eine Kalebasse als Resonanzkörper. Gespielt wird es mit einem dünnen Stab und einem Stein oder einer Münze; häufig begleitet eine kleine Korbrassel, das Caxixi, den Klang.

Seine Toques – charakteristische Rhythmusmuster – geben Orientierung für Tempo und Spielweise. Welche Bedeutung sie haben und wie die Instrumente zusammenspielen, hängt von der Tradition der Gruppe ab.

Ein Capoeirista spielt das Berimbau mit Spielstab, Stein und Caxixi-Rassel.
Das Berimbau verbindet Rhythmus, Aufmerksamkeit und das gemeinsame Spiel.

Die Bateria: gemeinsam entsteht Musik

Zur Instrumentengruppe können neben dem Berimbau das Pandeiro, eine Rahmentrommel mit Schellen, die Standtrommel Atabaque und die Glocke Agogô gehören. Die Besetzung ist je nach Schule und Stil unterschiedlich.

Gesang: zuhören, antworten, dazugehören

Viele Lieder sind auf Portugiesisch und leben von Ruf und Antwort. Neben Corridos gibt es etwa Ladainhas und weitere Gesangsformen. Die Texte können Geschichte, Alltag, Humor und die Erinnerung an frühere Meisterinnen und Meister aufgreifen. Wer mitsingt und klatscht, trägt die Roda mit – auch ohne selbst in ihrer Mitte zu spielen.

Kinder musizieren bei Anajô gemeinsam mit Pandeiro, Berimbau und Trommel.
Gemeinsam musizieren: Jedes Instrument trägt den Rhythmus der Roda mit.

Was wir voneinander lernen können

Das Jogo, das Spiel, ist ein Dialog aus Bewegungen: wahrnehmen, antworten, ausweichen und das Gleichgewicht wiederfinden. Es bietet Raum, sich auf andere einzustellen und neue Lösungen auszuprobieren.

Häufige Fragen zu Capoeira

Was ist Capoeira?

Capoeira ist eine afrobrasilianische Kulturpraxis, die Kampfkunst, Spiel, Tanz und Musik verbindet. In der Roda spielen zwei Personen miteinander; die Gruppe begleitet sie mit Gesang, Klatschen und Instrumenten.

Ist Capoeira für Kinder gefährlich?

Wie bei jeder Bewegungssportart sind Verletzungen möglich. Kindgerechtes Training setzt auf kontrollierte Bewegungen, ausreichend Abstand, passende Übungen und fachkundige Anleitung. Rücksicht und Ausweichen gehören zum Lernen. Kontakt und Intensität hängen von Stil, Gruppe und Unterricht ab. Eltern sollten vorab nach Betreuung, Sicherheitsregeln und dem Einstieg für ihr Kind fragen.

Was können Kinder durch Capoeira lernen?

Capoeira bietet Gelegenheit, Koordination, Rhythmusgefühl, Aufmerksamkeit und Zusammenarbeit zu üben. Singen, Klatschen und Bewegung stellen unterschiedliche Aufgaben zugleich. Welche Fortschritte ein Kind macht, ist individuell.

Was bedeuten Batizado und Corda?

Ein Batizado ist in vielen Schulen ein Fest zur Aufnahme neuer Schülerinnen und Schüler. Weitere Graduierungen können im Rahmen einer Troca de Cordas stattfinden. Eine Corda ist eine Kordel, die in manchen Schulen den Ausbildungsstand kennzeichnet. Farben, Voraussetzungen und Zeitabstände unterscheiden sich; nicht jedes Kind erhält jedes Jahr eine neue Kordel.

Was ist ein Apelido?

Ein Apelido ist ein Capoeira-Spitzname. Er kann an eine Eigenschaft, eine Bewegung oder eine gemeinsame Geschichte erinnern. Wie Namen vergeben werden, hängt von der Gruppe ab. Entscheidend ist ein respektvoller Umgang, bei dem sich das Kind mit seinem Namen wohlfühlt.

Wo kann ich in Europa Capoeira ausprobieren?

Bei Ideal Capoeira gibt es Trainingsangebote in Österreich, Liechtenstein, der Schweiz und Deutschland. Aktuelle Orte, Altersgruppen, Zeiten und Informationen zum Einstieg finden Sie direkt auf der Website von Ideal Capoeira.

Zu Ideal Capoeira

Wie unterstützt meine Spende Anajô?

Ihre Spende unterstützt die Arbeit mit Kindern in Guarabira: Bildung, Mahlzeiten, verlässliche Begleitung und Angebote wie Capoeira und Musik. Über den aktuellen Bedarf und die Mittelverwendung informieren wir auf unserer Spendenseite. Wenn Sie gezielt Capoeira fördern möchten, sprechen Sie uns gerne auf den aktuellen Bedarf an.

Mehr erfahren und spenden

Die wichtigsten Begriffe kurz erklärt

Ginga
Die rhythmische Grundbewegung, aus der viele weitere Bewegungen entstehen.
Roda
Der Kreis der Teilnehmenden und Musizierenden sowie das gemeinsame Geschehen darin.
Jogo
Das Spiel zwischen zwei Capoeiristas in der Roda.
Mestre / Mestra
Ein erfahrener Meister oder eine erfahrene Meisterin, der oder die Wissen und Tradition weitergibt.
Axé
Ein Begriff mit Wurzeln in afrobrasilianischen Religionen. Im Capoeira-Alltag wird er auch für die gemeinsame Kraft und Energie einer Roda verwendet.
Bateria
Die Instrumentengruppe, die das Spiel musikalisch begleitet.

Gemeinschaft möglich machen.

Ihre Spende unterstützt den Alltag der Kinder bei Anajô: Lernen, Mahlzeiten, verlässliche Begleitung und Angebote wie Capoeira und Musik.

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