Hailton „Hayu“ da Silva – Gründer von Anajô
Die inspirierende Geschichte unseres Obmanns.
Von Guarabira nach Vorarlberg
Hailton da Silva, den viele unter seinem Spitznamen Hayu kennen, ist Gründer von Anajô Österreich und Anajô Brasilien sowie Obmann des österreichischen Vereins. Als Capoeira-Mestre und Gründer von Ideal Capoeira verbindet er seit vielen Jahren Sport, Bildung und soziales Engagement. Seine eigene Geschichte zeigt, warum ihm verlässliche Begleitung für Kinder und Jugendliche besonders wichtig ist.
Die Entdeckung der Capoeira
Hayu wuchs in Brasilien auf und entdeckte im Alter von neun Jahren in einem Pfarrheim die Capoeira. Ein belgischer Priester, Leo Dennis, erkannte sein Potenzial und ermutigte ihn, regelmäßig zu trainieren und die Schule zu besuchen. Capoeira wurde für Hayu weit mehr als Bewegung: Sie vermittelte ihm Disziplin, Gemeinschaft, Ausdruck und die Erfahrung, dass ein verlässlicher Erwachsener den Weg eines Kindes entscheidend beeinflussen kann.
Aus dieser Erfahrung entstand später eine zentrale Überzeugung: Kinder brauchen nicht nur einzelne Angebote, sondern Menschen und Orte, auf die sie sich verlassen können.
Internationale Erfahrungen und der Weg nach Österreich
Hayus Begeisterung für Capoeira führte ihn zu einem Sportstudium. 1997 ging er nach Belgien, vertiefte dort seine Fähigkeiten und arbeitete als Trainer. Diese internationale Erfahrung stärkte seine Idee, Sport nicht nur als Training, sondern als Instrument für Bildung, Integration und persönliche Entwicklung einzusetzen.
Nach seiner Rückkehr nach Brasilien lernte er 1999 seine spätere Ehefrau Carolin kennen, die damals in einem Kinderdorf arbeitete. Über eine Theatergruppe kam Hayu schließlich nach Österreich. Aus einem zunächst begrenzten Aufenthalt wurde ein neuer Lebensmittelpunkt. Seit 2002 lebt er in Österreich und baute hier seine Arbeit mit Capoeira weiter aus.
Die Gründung von Anajô
Mit Anajô verband Hayu seine neue Heimat in Vorarlberg mit seiner Herkunft in Brasilien. Gemeinsam mit engagierten Menschen in beiden Ländern entstand eine Organisation, die Kinder und Jugendliche in Guarabira durch Bildung, gesunde Mahlzeiten, Bewegung, Gemeinschaft und Begleitung unterstützt.
Heute nehmen rund 80 Kinder täglich an den Angeboten von Anajô teil. Weitere Kinder kommen an bestimmten Wochentagen, an Wochenenden, zu Trainings und Veranstaltungen. Gleichzeitig bestehen Wartelisten – ein sichtbares Zeichen dafür, dass der Bedarf größer ist als die derzeitigen Möglichkeiten.
Anajô ist für Hayu kein kurzfristiges Hilfsprojekt. Es geht darum, Kindern über längere Zeit Stabilität und Perspektiven zu geben. Dass ehemalige betreute Kinder heute selbst im Team mitarbeiten und Verantwortung für die nächste Generation übernehmen, gehört für ihn zu den stärksten Zeichen langfristiger Wirkung.
Zwei Länder, eine gemeinsame Verantwortung
Hayu pendelt zwischen Österreich und Brasilien und verbindet die Vereinsarbeit in Vorarlberg mit der Umsetzung in Guarabira. Er kennt die lokalen Gegebenheiten, begleitet die Entwicklung der Projekte und hält den Austausch zwischen beiden Teams lebendig.
In Österreich steht er als Obmann für die Grundausrichtung von Anajô, knüpft Kontakte und vertritt das Kinderhilfswerk nach außen. In Brasilien arbeitet er eng mit Maria Joseilda Ferreira de Brito und dem Team vor Ort zusammen. Seine Capoeira-Arbeit schafft dabei immer wieder Begegnungen zwischen Menschen, die Anajô kennenlernen und unterstützen möchten.
Unterstützung, die Entwicklung möglich macht
Anajô wird von Privatpersonen, ehrenamtlich Engagierten und Unternehmen getragen. Auch Omicron und das Land Vorarlberg haben die Arbeit unterstützt. Diese Partnerschaften haben dazu beigetragen, Angebote zu sichern und wichtige Entwicklungsschritte zu ermöglichen.
Für Hayu ist dabei entscheidend, dass Unterstützung nachvollziehbar wirkt. Anajô wird in Österreich ehrenamtlich organisiert; ein möglichst großer Teil der Spenden fließt unmittelbar in die Arbeit und Projekte in Brasilien.
Casa Anajô: die aktuelle Priorität
Der wichtigste nächste Schritt ist Casa Anajô. Der Rohbau und das Dach des Mehrzweckhauses stehen bereits. Nach aktueller Schätzung fehlen noch rund 17.000 Euro, damit Fenster, Elektrik, Innenarbeiten und eine solare Warmwasserlösung umgesetzt werden können und das Gebäude für die Kinder nutzbar wird.
Casa Anajô soll zunächst ein verlässlicher Mehrzweckort für Bildungsangebote, Mahlzeiten, Sport, Begegnung und Betreuung sein. Damit wird aus dem bestehenden Rohbau ein Haus, in dem der Alltag von Anajô langfristig Platz findet.
Visionen für die Zukunft
Hayu denkt langfristig. Wenn Anajô eines Tages deutlich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, könnten ergänzende Ideen wie ein Café oder Restaurant, Ausbildungsangebote und Stipendien weiterentwickelt werden. Solche Vorhaben sind derzeit jedoch keine beschlossenen Projekte und gehören nicht zum aktuellen Finanzierungsziel.
Auch die Ausweitung des Anajô-Konzepts auf weitere Orte in Brasilien ist eine Vision für die Zukunft. Vorrang hat heute, die bestehende Arbeit in Guarabira zu sichern, Casa Anajô fertigzustellen und den Kindern, die bereits begleitet werden, verlässliche Bedingungen zu bieten.
Was Hayu antreibt
Hayus Lebensweg verbindet persönliche Erfahrung mit konkretem Engagement. Er hat selbst erlebt, welchen Unterschied Sport, Bildung und ein unterstützender Mensch im Leben eines Kindes machen können. Diese Erfahrung prägt seine Arbeit bis heute.
Sein Ziel ist nicht, große Versprechen zu machen. Es ist, gemeinsam mit den Teams in Österreich und Brasilien Schritt für Schritt einen Ort zu schaffen, an dem Kinder gesehen, gestärkt und über viele Jahre begleitet werden können.

